Aktuelles

Brief an Henning Scherf

Veröffentlicht am 17.09.2010
Aktuelles >>

Sehr geehrter Herr Scherf,

 mit einem offenen Brief muß ich Ihnen mitteilen, daß ich mit größtem Bedauern und sehr enttäuscht zur Kenntnis genommen habe, daß ein honoriger Mensch wie Sie sich als Vermittler vor den Karren der EWE AG spannen läßt, ein wohl beispielloser Vorgang einseitiger Interessenwahrnehmung für einen Energieversorger, der seiner Kundschaft arrogant und trickreich seit dem Jahr 2004 Geld aus der Tasche gezogen hat und sich damit widerrechtlich bereichert hat.

Die EWE AG hat im Herbst 2004 die Geschäftspolitik rigoros von Daseinsvorsorge auf Gewinnmaximierung umgestellt, um u.a. eine Expansion in die Türkei und Polen, Sponsoring von Sport und Kultur zu finanzieren. Man wollte unbedingt ein sogenannter "Global Player" werden. Allein von September 2004 bis Dezember 2006 wurde der Arbeitspreis für eine Kwh um sage und schreibe 50,3 % nach oben katapultiert und Jahr für Jahr hat die EWE Rekordgewinne bilanziert.
 
Was hat Sie nur bewogen, sich mit einem Energiekonzern in dieser Weise einzulassen, der längst jedes  Vertrauen und die Wertschätzung seiner Kundschaft so verspielt und sein Image so beschädigt hat ? Sind Sie aufgrund mangelnder Detailkenntnis in dieses Engagement hineingestolpert oder war es womöglich die Aussicht, doch nochmal in öffentliches Rampenlicht zu treten ?
 
Normalerweise kommt eine neutrale Vermittlung in Streitfällen nur dann zustande, wenn alle streitenden Parteien einem solchen Verfahren zustimmen.
Bemerkenswert ist, daß der von der EWE initiierte Weg einer "Vermittlung" auf der gleichen Linie liegt wie die bisherigen Versuche der EWE AG, mit Hilfe von parteilichen Wirtschaftsgutachten ihre rüde Preispolitik zu rechtfertigen.
 
Herr Scherf, Sie unterhalten sich nur mit 13 handverlesenen EWE-Kunden, die unverständlicherweise bereit sind, gegenüber dem immer noch in der Region marktbeherrschenden Energieversorger auf Rechte zu verzichten, die ihnen durch einschlägige Paragraphen des BGB gegeben sind.  Es wäre zweckmäßiger gewesen, die Meinung der zahlreichen Initiativen zum Gaspreisprotest und tausender Kunden, die sich per Widerspruch zur Wehr gesetzt haben, einzuholen.
Sie können doch unmöglich davon ausgehen, daß bei der von Ihnen jetzt praktizierten Vorgehensweise die Belange von 600.000 Kunden der EWE angemessen vertreten werden.
 
Zunächst muß man wohl davon ausgehen, daß es vorrangig um eine für die EWE AG schonende Vergleichsregelung hinsichtlich der Rückzahlungsforderungen geht,  u.zw. unabhängig, in welcher Höhe oder in welchem Modus. Vielleicht geht es ja auch noch etwas rücksichtsvoller, z.B. ohne jede Rückzahlung (man ist ja nicht verpflichtet), damit unser regionaler Energieversorger um Gottes willen nicht insolvent wird !!! Die EWE Kundschaft darf wohl gespannt sein, wie Ihr "Vermittlungsvorschlag" ausfallen wird.
 
Bedauerlicherweise verbleibe ich für Sie
mit gesunkener Hochachtung
 
Peter Lund, Dipl.Ing.
27798 Hude
 
16.09.2010

Zuletzt geändert am: 17.09.2010 um 14:34:15

Zurück